Buchweizensprossen


Sehr oft arbeite ich mit Buchweizensprossen.
Es geht mir dabei nicht vorrangig um Rezepte. Ich bin schon vor langer Zeit in einen Prozess des Experimentierens mit Buchweizen eingestiegen.

Mein Ziel ist sowohl die Keimung der Sprossen auf Leinwand, um daraus ein Kunstwerk zu gestalten als auch parallel Rezepte zu entwickeln, die weiter gehen als: "Man nehme Buchweizensprossen und gebe sie über einen Salat."

Also beginne ich, wie immer bei solchen Entwicklungen, mit der Theorie.
In diesem Fall lese ich mich durch die wundervollen Aufzeichnungen meiner sehr geschätzten Künstlerkollegin Rose-Marie Nöcker und ihr Buch:

Körner und Keime
Der Sprossengarten im Zimmer


Ich darf mich glücklich schätzen, denn ich besitze noch die Ausgabe von 1991 aus dem Wilhelm Heyne Verlag, München.
Ich bekam damals das Buch von Rose-Marie persönlich geschenkt, nach unserer langen gemeinsamen Arbeit an der Ausstellung "Fascinatie Texstyles 2" im Museum van Bommel van Dam, in Venlo / NL, 1993.

Ich war als Kuratorin für diese Ausstellung ans Museum berufen worden und lud 22 internationale (Textil-)Künstler ein, textile Kunst als Raum-Skulptur zu entwickeln.
Die Düsseldorfer Künstlerin Rose-Marie Nöcker war eine der Geladenen. Ihre Installation "De staalmeesters" bestand aus Weizensprossen, die wochenlang in ihrem Düsseldorfer Atelier keimten, kontrolliert verdorrten und anschließend zu einem ungewohnten, wundervollen Stoff wurden, der einen großen Tisch im Museum bedeckte und die Besucher faszinierte.


Bei unseren langen Gesprächen entwickelte ich eine Begeisterung für Keime und Sprossen. Rose-Marie begleitete meine "Experimentierfreude" und machte mir Mut, auch nach ersten Rückschlägen durch zu halten.

Zuerst probierte ich viele Sorten von Körnern aus. Dann, seit dem Jahr 2000, experimentiere ich hauptsächlich mit Kresse und integriere sie seitdem in meinen Kunstwerken und in meinen Speisen.
Zur Zeit kombiniere ich meine "Kresse-Wachsungen" in meinen Fotos innerhalb meiner KunstPuzzle.

Aber nach dieser langen Zeit der Beschäftigung mit Kresse und den fast 200 unterschiedlichen Sorten, die ich dabei entdeckt habe und einsetzte, möchte ich mich nun wieder verstärkt in den Buchweizen vertiefen.

Welche Möglichkeiten bietet er mir?

Zuerst hole ich eine Tüte Buchweizensamen aus der Speisekammer und sortiere die einzelnen Körner. Eine fast schon meditative Arbeit.

 

Nur wirklich unbeschädigte Körner eignen sich zum Keimen. Diese Auswahl wird in eine Schüssel gegeben und 2 Tage gewässert.

Danach lege ich sie auf ein "Keimtuch" und spüle sie 3 x am Tag.
Wichtig!
Es darf sich keine Staunässe bilden und während der Entwicklung zur Sprosse muss ich den Rhythmus des dreimaligen Spülens pro Tag sorgfältig einhalten. Reisen oder längere Zeit außerhalb des Hauses sind dann nicht möglich.


 

Am 2. Tag bilden sich erste winzige Ansätze, die sich am 3. Tag zu langen weißen Faden-Keimen entwickeln.

 

Ab dem 6. Tag zeigen sich winzige Blätter, die nun in den nächsten Tagen zu kräftigen Sprossen wachsen.


Würde ich nun die Sprossen als klassische Beilage zu meinen Gerichten verwenden oder daraus eine Sprossensuppe aus dem Rezeptebuch von Rose-Marie Nöcker kochen, dann wäre hier der Keimungsprozess abgeschlossen. Ich müsste nun nur noch die Hülsen entfernen, denn die sollte man nicht mitessen.

 

Heute aber lasse ich bei meinem Experiment die Sprossen weitere 3 Tage kontrolliert verdorren. Dazu reduziere ich den Spülvorgang auf 1 x am Tag und stelle ihn schließlich am 2. Tag ganz ein. Ich möchte wissen, wie haltbar sie sind, welchen Geruch sie entwickeln und ob sie auch in diesem Zustand noch genießbar sind.

Erst wenn ich diese Fakten kenne, kann ich den nächsten Schritt des Experimentes starten.


Diese Keimlingen habe ich in einem nicht alltäglichem und sehr schmackhaftes Buchweizen-Sprossen-Brot verarbeitet.
Wünsche einen guten Appetit.

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